10. Oktober 2021

Gelebte Erinnerungsarbeit in Saarbrücken: Junge Menschen aus der Großregion pflegen Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm


Rund 100 junge Menschen haben beim 4. Interregionalen Workcamp „Buddeln und Bilden“ auf der Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm in Saarbrücken praktische Erinnerungsarbeit betrieben. Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend Saar (aej saar) hat sich mit einer Kreativ-Station beteiligt.

Seit vielen Jahren pflegen Jugendliche und junge Erwachsene einmal im Jahr die Gedenkstätte an der Neuen Bremm, normalerweise Anfang Mai, corona-bedingt in diesem Jahr im goldenen Herbst. Barackenflächen wurden von Unkraut befreit, Infotafeln gereinigt, das Löschbecken von Schlamm befreit und das erste Herbstlaub beseitigt.

Eindrücke vom Lageralltag der damals inhaftierten Männer und Frauen gaben 20 Jugend-Scouts, die sich im Rahmen einer Schulung, die der Landesjugendring gemeinsam mit dem Fach Geschichte der Universität Trier veranstaltet hat, auf die Vermittlungstätigkeit der jungen teils französischsprachigen Teilnehmer*innen vorbereitet haben. Zum ersten Mal dabei waren die Auszubildenden des Garten- und Landschaftsbaus des Zentrums für Bildung und Beruf (ZBB Saar), die sich im Rahmen einer Pflegepatenschaft mit der Stadt Saarbrücken ganzjährig um die anfallenden Arbeiten an dem heutigen Erinnerungsort kümmern. Gemeinsam mit den Scouts begleiteten sie die Teilnehmer*innen bei den Pflegearbeiten und bekamen selbst einen intensiven Einblick in die Geschichte ihres heutigen Einsatzortes. Neu war auch, dass in diesem Jahr dem eigentlichen Workcamp am Samstag ein Tag speziell für Schulklassen vorgeschaltet war.

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend an der Saar (aej saar) ergänzte das Angebot mit einem Upcycling-Workshop, bei dem aus alten Shirts Einkaufsbeutel hergestellt und mit dem Logo „Damit kein Gras drüber wächst“ bedruckt wurden. Die Beutel sollen zum Nachdenken und zur „Fair“wertung anregen sowie ein sichtbares Zeichen zur Erinnerung setzen.

Besondere Wertschätzung erhielten die Teilnehmer*innen von der französischen Botschafterin in Deutschland Anne-Marie Descôtes und dem französischen Generalkonsul Sébastien Girard, die sich am Samstagnachmittag bei einem Besuch das interregionale Workcamp anschauten und sich mit den Teilnehmer*innen und Veranstalter*innen austauschten zur grenzüberschreitenden Erinnerungsarbeit.

2022 soll das Workcamp voraussichtlich wieder zweitägig rund um den Tag der Befreiung am 6. und 7. Mai stattfinden.

Info:
Das Workcamp wird durchgeführt vom Landesjugendring Saar in Kooperation mit der Universität Trier, der Landeszentrale für Politische Bildung, der Initiative Neue Bremm, dem ZBB, der aej saar, der THW-Jugend, der Saarländischen Jugendfeuerwehr, dem Jugendrotkreuz im Saarland und der DGB-Jugend Saar. Interregionaler Partner ist EuRegio SaarLorLux+. Gefördert wird das interregionale Workcamp durch das Ministerium für Soziales Gesundheit Frauen und Familie und die Beauftragte des Bundes für Kultur und Medien im Rahmen des Förderprogramms „Jugend erinnert“.





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