Predigt am Ewigkeitssonntag


Am Ewigkeitssonntag, 22. November 2020 finden um 10 Uhr und um 11.30 Uhr Gottesdienste in der Evangelischen Kirche in Fischbach statt. Die Predigt von Pfarrerin Tabitha Mangold können Sie hier nachlesen.

 

 

Gottesdienst am Ewigkeitssonntag 2020

Werden wir uns wiedersehen?

Predigttext: 1. Korinther 15, 35-38 und 42-44

Vielleicht fragt jetzt einer: wie werden die Toten denn auferstehen? Was für einen Körper werden sie haben?

Welch eine unsinnige Frage! Wenn ihr ein Samenkorn in die Erde legt, wächst es nicht zu Einer Pflanze heran, bevor es nicht gestorben ist.

Was ihr in die Erde legt, ist nicht die Pflanze, die wachsen soll, sondern ein bloßes Weizen- korn oder was ihr sonst pflanzen wollt.

Dann gibt Gott ihm einen neuen Leib, wie es Ihm gefällt.

Genauso verhält es sich mit der Auferstehung der Toten. Unsre irdischen Körper sterben und verwesen, doch bei der Auferstehung werden sie unvergänglich sein und nicht mehr sterben

Jetzt sind unsre Körper nicht perfekt, aber wenn sie auferstehen werden, werden sie voller Herrlichkeit sein. Jetzt sind sie schwach, dann aber voller Kraft.

Jetzt sind es natürliche menschliche Körper, aber wenn sie auferstehen, werden es geistliche Körper sein. Denn so wie es irdische Körper gibt, so gibt es auch geistliche.

Liebe Gemeinde,

dieses Jahr war für die meisten von Ihnen ein ganz besonderes Jahr. Es wird Ihnen lange in Erinnerung bleiben, weil sich mit dem Tod eines lieben und vertrauten Menschen alles verändert hat. Die Wirklichkeit des Todes begleitet Sie seither. Tiefe Trauer, Gefühle der Einsamkeit, aber bisweilen auch immer noch Fassungslosigkeit, manchmal auch Wut gehören dazu. Und ganz viele Fragen, die vorher mehr hypothetisch waren, jetzt aber ganz existentiell sind. Hält unser christlicher Glaube wirklich, was er verspricht? Gibt es eine Auferstehung der Toten? Wie sollen wir uns das vorstellen? Und ganz besonders eine Frage wird vielen auf dem Herzen liegen: Sehen wir uns wieder?

Mit all diesen Fragen befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Schon die Gemeinde in Korinth hat so gefragt. Paulus hatte sie im Jahre 50 gegründet. Der 1. Korintherbrief wurde dann im Frühjahr 54 aus Ephesus von Paulus geschrieben. Denn nach seiner Gemeindegründung in Korinth blieb ein enger Kontakt zwischen Paulus und dieser Gemeinde. Da die Gemeindeglieder jüdische, hellenistische und heidnische Wurzeln hatten, begegneten sich da verschiedene Vorstellungswelten.

Das Auferstehungskapitel, 1. Korinther 15, bildet den theologischen Höhepunkt dieses Briefes. Danach gibt es nur noch Grüße und Bitten. Hier schlägt das Herz des Paulus, weil es um den Kern unsres Glaubens geht. Und da schlägt dem Apostel viel Wind des Unglaubens entgegen: „Auferstehung zu schön, um wahr zu sein!“ So dachten und denken viele. „Keiner kann etwas Genaues sagen, schließlich ist keiner zurückgekehrt“, sind Zweifel, die oft geäußert werden. „Es gibt viele Spekulationen, es gibt Nahtoderfahrungen, aber diese Menschen waren ja nicht wirklich tot“, argumentieren manche. „Wenn ich tot bin, dann bin ich eben tot. Dann interessiert mich das auch nicht mehr“, denken die Desillusionierten. Doch der Tod und die Frage nach einem Leben danach lässt die Menschen nicht los.

Besonders auch dann nicht, wenn wir einen lieben Menschen verloren haben. Bleibt nur die Erinnerung und das Gedenken?

Der Apostel Paulus redet nicht um den heißen Brei herum, denn hier geht es um alles oder nichts. In 1. Korinther 15, 12- 19 erklärt er es unmissverständlich: „ Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferstanden. Und wenn Christus nicht auferstanden ist, dann war unser Predigen wertlos und auch euer Vertrauen auf Gott ist vergeblich… Dann ist der Glaube nutzlos und … wenn er nur für dieses Leben Hoffnung gibt, sind wir die elendsten Menschen auf der Welt.“ Drastischer kann es nicht formuliert werden. Unser Glaube steht und fällt mit der Auferstehung Jesu von den Toten.

Gott will uns nicht nur in diesem Leben ein paar fromme und gute Gefühle vermitteln, uns religiös begleiten. Ganz im Gegenteil, schenkt er uns mit dem Kommen seines Sohnes, mit seinem Tod und seiner Auferstehung eine unerschütterliche Hoffnung, dass der Tod letzten Endes besiegt ist!

Da sind sich alle Schreiber des Neuen Testamentes einig; sie alle leben von der Hoffnung auf ewiges Leben bei Gott. Paulus weiß, dass es noch viel mehr Fragen gibt, was die Auferstehung betrifft. Sehen wir uns wieder? Ist wahrscheinlich die Frage, die viele von Ihnen am meisten bewegt. Werden wir uns wiedererkennen? Wie, in welcher Beschaffenheit werden wir leben? Klar ist, dass diese Vorstellungen unser Denken überschreiten. Paulus versucht durch Beispiele aus der Natur sich diesem Geheimnis der Auferstehung zu nähern. „Wenn ein Samenkorn in die Erde gelegt wird, wächst es nicht zu einer Pflanze heran, bevor es nicht gestorben ist. Was ihr in die Erde legt, ist nicht die Pflanze, die wachsen wird, sondern ein bloßes Weizenkorn.“ Jesus selbst hat dieses Bild für sein Sterben und Auferstehen verwendet: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“

Ich habe Ihnen zwei Rosen von Jericho mitgebracht. Sie heißen Anastatica hierochuntica. Die eine sieht tot und verdorrt aus. Als ich das erste Mal eine solche sah, wollte ich sie wegwerfen. Da wird ja doch nichts mehr draus, war mein Gedanke. Legt man sie jedoch ins Wasser, dann erwacht sie zum Leben und sieht so wunderbar aus, wie die zweite Rose, die ich Ihnen mitgebracht habe. Die Natur in ihrem Vergehen und Werden spiegelt die Hoffnung auf Auferstehung. Nach einem alten Brauch wird die Rose von Jericho jeweils zu Weihnachten und Ostern gewässert und so zu diesen hohen christlichen Feiertagen erweckt.

Hören wir es, was Paulus sagt: nach dem Tod werden wir glücklich sein. Wir werden leben. Unverweslich. Gott wird uns einen neuen Körper geben, der natürlich anders beschaffen sein wird wie der irdische. Alles Dunkle, Schmerzvolle und Vergängliche wird ein Ende haben. „Siehe, ich mache alles neu“, spricht Jesus Christus in der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel. Wir werden nicht ganz anders sein, sondern es wird eine Kontinuität geben. Das wird ausgedrückt mit unseren Namen. Er, der uns beim Namen gerufen hat… unverwechselbar und einmalig, hat unsre Namen auch im Himmel aufgeschrieben. Deshalb werden wir uns wiedersehen. Wir werden uns so sehen, wie Gott uns eigentlich gedacht hat, ohne Brüche und Widersprüche, ohne Schuld und Misstrauen; voller Liebe und Licht. Tränen wird es nicht mehr geben, das Erste ist vergangen. „No tears in heaven“,

singt Eric Clapton, der seinen 4jährigen Sohn begraben musste. Er war aus dem 53. Stock eines Hochhauses in New York gestürzt. Und dann fragt er seinen Jungen in dem Lied:“ Würdest du meinen Namen kennen, wenn ich dich im Himmel träfe? Wäre es dasselbe, wenn ich dich im Himmel träfe?“ Wie genau die Auferstehung sein wird, kann Paulus auch nicht sagen. Aber eines ist ihm wichtig, nämlich dass es die Auferstehung des ganzen Menschen geben wird, des Menschen mit Seele und Leib.

So wie der auferstandene Christus einen Leib hatte und den Jüngern erschien und mit ihnen aß und trank. Ohne unseren Körper könnten wir nicht mit anderen kommunizieren, nicht in Beziehung treten zu einander. Ein Theologe K. Douglass schreibt: „Die Auferstehung des Leibes ist deswegen so wichtig, weil daran die Auferstehung der Beziehungsfähigkeit und der Liebe hängt.“ Wie der geistliche Körper aussehen wird, kann ich mir nicht vorstellen, aber ich möchte dem Gott vertrauen, der heute schon seine Wunder mit und an uns tut. Ich möchte darauf vertrauen, dass wir nach dem Tod glücklich sein werden; dass unsere Verstorbenen glücklich sein werden. Nach dem Tod ist nichts aus und vorbei. Gott nimmt uns auf mit den Bruchstücken unseres irdischen Lebens und fügt uns zusammen zu einem wunderschönen Ganzen. Es wird vollendete Gemeinschaft mit Gott geben, vollkommenes Glück und Leben, vollkommene Liebe und Schönheit. Und dazu gehören auch unsere Lieben. Wir werden sie erkennen, so wie die Jünger den Auferstandenen wiedererkannt haben. So werden wir einander als neue Menschen begegnen und in vollkommener Gemeinschaft verbunden sein. Gott selbst stärke unseren Glauben und unser Vertrauen. Schauen Sie sich ab und zu die Rose zu Jericho an, ein kleines Wunder, das über sich hinaus deuten kann.

Amen

Pfarrerin Tabitha Mangold

 

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