Predigt für Sonntag, 18. Oktober 2020


Die Predigt für den Gottesdienst am Sonntag, den 18. Oktober 2020, von Pfarrer i.R. Werner Kausch können Sie hier nachlesen.

Epheser 4,22-32

22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet.

23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn

24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

25 Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind.

26 Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen

27 und gebt nicht Raum dem Teufel.

28 Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann.

29 Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören.

30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung.

31 Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit.

32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich und

vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

 

Liebe Gemeinde!

Unser heutigerPredigttext aus dem Epheserbrief ist von Gegensätzen geprägt: Der alte Mensch oder der neue Mensch, Leben oder Tod.

„Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel…Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“.

Der Epheserbrief ist lange nach der Zeit des Apostels Paulus entstanden. Aber der Verfasser greift – wie auch andere der nachpaulinischen Briefe - auf dessen Gedanken zurück, um den eigenen Worten Nachdruck zu verleihen.

Für den grundlegenden Wandel vom alten zum neuen Menschen greift der Verfasser, wie schon der Apostel Paulus, auf das Bild vom Kleid zurück.

Das alte Kleid soll ausgezogen und ein neues angezogen werden. Oder richtiger: Mit dem neuen Kleid werden Menschen von Gott bekleidet. Der entscheidende Kleiderwechsel geht von ihm aus.

Das Datum für die Neueinkleidung ist die Taufe. „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen“, schreibt Paulus im Galaterbrief (Galater 3,27). Christus selbst ist das neue Kleid, durch das Getaufte zu denen gemacht werden, die sie sind: zu Kindern Gottes.

Im Wasser der Taufe ist alles wegespült, was einem Menschen bis dahin von Gott getrennt hat. In ihr wurde, wieder bildlich, der alte Mensch „ertränkt“ und der neue ist aus dem Wasser der Taufe „heraufgestiegen“.

In der Geschichte vom Sündenfall (1.Mose 3) wird erzählt, wie der Einklang mit Gott durch menschliche Überheblichkeit zerstört wird. Das Paradies, ein wunderbares Bild für die Einheit zwischen Gott und seinem Geschöpf Mensch und mit der ganzen Schöpfung, geht verloren.

Mit seiner Maßlosigkeit hat der Mensch das Leben aufs Spiel gesetzt. Fortan geht es um Leben und Tod. „Leben“ steht für die heilvolle Gemeinschaft mit Gott, „Tod“ für ein Leben in Gottesferne.

Wie ein roter Faden zieht sich aber durch das Zeugnis der Heiligen Schrift, dass Gott den Menschen, der sich von ihm abgewendet hat, doch nicht fallen lässt. Immer wieder setzt Gott Zeichen des Lebens, wie zum Beispiel seinen Bogen in den Wolken am Ende der Erzählung von Noah und der großen Flut. „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen…Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1.Mose 8, 21+22).

Gott steht für das Leben ein! Das ist der Grund für die Zukunft der Welt!

In der biblischen Botschaft ist auch bezeugt, dass die Menschen nicht Gottes Marionetten sind, mit denen er willkürlich „hantierte“. Gott hat dem Menschen vielmehr Freiheit geschenkt hat – die Freiheit „Ja“ zu sagen oder „Nein“, „Ja“ zu einem Leben mit ihm oder „Nein“, zu einem ohne ihn.

Gott hat sich, so wird erzählt, Mose in seinem Namen bekannt gemacht als der gegenüber Gottes Auftrag, die Hebräer in die Freiheit zu führen, voller Zweifel war: „Ich werde sein, der ich sein werde“. Oder „Ich werde für dich, für euch da sein“ (2.Mose 3,14).

Vom Da-Sein seines Gottes, der „Ja“ zu Israel als seinem Volk gesagt hat, wird die wechselvolle Geschichte Israels geprägt. Davon wird erzählt, dass und wie Gott sich selbst und denen, denen er sich verpflichtet hat, treu geblieben ist, wie er nie müde wurde durch den Mund seiner Botinnen und Boten darum zu werben, sich um seiner Treue willen von seinen guten Ordnungen, den Geboten, leiten zu lassen, die Wegweiser und Leitlinien zum Leben sind.

Es war eine verhängnisvolle Fehldeutung, dass im Laufe einer jahrhundertelangen Tradition die Gebote zu „Verbots-und Zwangsinstrumenten“ umgebogen wurden: „Du sollst nicht“ „Du darfst nicht“. Oder aber auch: „Du musst!“

So wurden sie zu einem schweren Ballast, den Menschen lieber abwerfen wollten. Von „Lust am Gesetz des Herrn“, wie der Beter des 1.Psalms Gottes Ordnungen lobt, konnte keine Rede sein.

„Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe“ (2.Mose 20,2), so setzt die biblische Überlieferung der Gebote ein. Das ist der „Hauptsatz“, den Martin Luther in seinem Katechismus leider weggelassen hat: Gott hat befreit!

Die von ihm geschenkte Freiheit bedeutet aber nicht bindungslose Beliebigkeit, in der sich jeder Mensch selbst genug und das Maß aller Dinge sein dürfte.

Die Freiheit, zu der Gott befreit hat, ist auf Gemeinschaft ausgereichtet: die Gemeinschaft mit ihm und zugleich die untereinander und mit der ganzen Schöpfung.

Die Freiheit, zu der Gott befreit hat, führt wieder zurück in den einst verlorenen heilvollen Einklang und voraus in eine heilvolle Zukunft.

Das neue Christuskleid, mit dem Getaufte bekleidet werden, ist ein Kleid der Freiheit, ein Kleid, das sie sich nicht selbst schneidern können oder müssen. Dieses Kleid ist das unvergleichliche Angebot Gottes. Die Bekleidung mit ihm ist und bleibt einmalig: Einmal getauft – für immer getauft.

Dieses Kleid verliert nicht an Wert, kommt nie aus der Mode. Es ist und bleibt die unwiderrufliche Auszeichnung der Beziehung, die Gott zu einem Menschen begründet hat und die er nie wieder aufkündigt.

„Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn, wenn aber ich ihn überschreite, so lass mich nicht verlorengehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan“, bekennt und bittet Johann Jakob Rambach in seinem Taufchoral „Ich bin getauft auf deinen Namen“ aus dem Jahr 1735 (EG 200,4).

In der Bitte um Gottes bleibende Zuwendung scheint auf, dass Getaufte, die mit Christus bekleidet sind, die er in den Bereich seiner Herrschaft eingegliedert hat, keineswegs fehlerlose Menschen sind.

Der neue Mensch wird immer wieder von dem alten in Frage gestellt.

„Trügerische Begierden“ nennt der Verfasser Verhaltensweisen, gegen die auch der neue Mensch keineswegs immun ist. „Bitterkeit“, „Grimm“ „Zorn“, „Geschrei“, „Lästerung“ und „Bosheit“ nennt der Verfasser als Quellen einer möglichen Bedrohung.

Wie weit verbreitet sind sie bis heute auch unter Christinnen und Christen! Wie oft wird der Umgang untereinander durch sie vergiftet! Auch um Wahrhaftigkeit ist es längst nicht zum Besten bestellt!

Gegen diese Untugenden den moralischen Zeigefinger zu erheben oder eine kräftige Moralpredigt zu halten, wird aber kaum etwas bewirken.

Dem Verfasser des Epheserbriefes und dem Apostel Paulus wird Moralisieren, das schnell in Selbstgerechtigkeit und Hochmut ausartet, nicht gerecht.

Wenn sie vor Gefahren für Getaufte, für den neuen Menschen, warnen, geschieht das nicht als Drohung. Vielmehr wollen sie erinnern und ermutigen: „Lasst euch daran erinnern, was in eurer Taufe für euch schon Wirklichkeit geworden ist: Ihr tragt schon das neue Kleid! Ihr seid schon neue Menschen. Gott hat euch in Christus und durch ihn die Türen zu einem veränderten und neuen Leben weit geöffnet. Ihr habt die Möglichkeit, jeden Tag neu durch diese Türen hindurchzugehen und in Gottes Ordnungen Orientierung für die nächsten Schritte im Alltag zu suchen.

Gott schenkt euch die Möglichkeit, anders auf euch und auf andere zu sehen, weil ihr seine geliebten Kinder seid.  Gott macht euch fähig dazu, euer Leben zu verändern. Ihr könnt alten Ballast abzuwerfen. Ihr könnt Neues wagen. Gott nimmt euch die Angst davor. Das Christuskleid gibt euch Halt“.

Das Christuskleid trägt. Tag für Tag können Getaufte mehr in dieses Kleid hineinwachsen und sich darin wohlfühlen.

Das wird dann auch nach außen hin spürbar werden in dem, wie sie denken, reden und handeln.

Alter oder neuer Mensch – Leben oder Tod, Leben in der heilvollen Gottesnähe oder in der Gottesferne, für die, die in der Taufe mit dem Christuskleid, mit Christus selbst, bekleidet sind, ist die grundlegende Entscheidung schon gefallen.

„Ihr seid Gottes Kinder, in Zeit und in Ewigkeit von seiner Liebe umgeben, die allem anderen voran geht. In ihr und aus ihr dürft ihr leben.

Darum habt Mut! Schöpft die Möglichkeiten aus, die Gott euch angeboten hat und immer wieder neu anbietet.

Er könnt als die leben , die ihr seid, als neue Menschen! Das könnt Anwälte der Wahrheit sein, Menschen, die ihre Zunge vor faulem und nutzlosem Geschwätz hüten und stattdessen reden, was gut und notwendig ist. Ihr könnt Menschen sein, die der Bosheit widerstehen, mit denen Gemeinschaft so oft zerstört wird. Ihr könnt freundlich und herzlich sein. Durch euch kann Gemeinschaft gefördert und erhalten werden.

Ihr könnt als „neue“ Menschen leben, weil Gott „Ja“ zu euch gesagt hat. Er ist bereit, euch zu vergeben, wo ihr Fehler gemacht habt. Darum seid auch ihr gegenüber euren Mitmenschen dazu bereit, zu vergeben und Brücken zueinander zu bauen“.

Liebe Gemeinde!

In der Taufe sind auch wir neu eingekleidet. Wir sind mit Gottes gutem Heiligen Geist beschenkt. Gott traut uns zu als neue Menschen zu leben. Gott sei Dank.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Pfarrer i.R. Werner Kausch

 

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